Vortrag "First Togetherness in 2BFM und AVdual
„Die meisten denken immer, es geht um ihn“, sagt Christoph Rickels und zeigt auf seinen Begleiter, Sezer Karakoc. „Er sitz ja im Rollstuhl…aber ihr hört es mir an – irgendwas ist komisch an mir. Es geht also um mich und mich kostet jedes Wort unglaublich viel Kraft.“
Ein Saal, der zu Beginn noch unruhig und wuselig wirkt, wird immer stiller. Christoph Rickels hat uns gestern an der Schule in den Klassen des AVdual und der 2BFM2 besucht, um seine Geschichte zu erzählen. „Früher hab‘ ich gedacht, ich bin der Boss. Mit einem Schlag hat sich aber alles geändert.“ Dann begann er seine Geschichte zu erzählen, die unter die Haut ging:
Im Alter von 20 Jahren wurde er durch einen einzigen Faustschlag schwer verletzt. Beim Sturz auf den Boden erlitt er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und fiel für mehrere Monate ins Koma. Als er wieder aufwachte, war nichts mehr wie zuvor: Er ist seitdem schwerbehindert und musste grundlegende Fähigkeiten wie Sprechen, Laufen und Essen neu erlernen.
Der Vorfall ereignete sich im Jahr 2007 in einer Diskothek in Aurich. Nach einem Streit schlug ein alkoholisierter Mann ihm unvermittelt gegen das Kinn. Die gesundheitlichen Folgen waren lebensbedrohlich und veränderten sein Leben grundlegend. Auch juristisch fand Rickels keine vollständige Gerechtigkeit, da der Täter letztlich ohne Strafe blieb.
Trotz dieser Erfahrungen entschied sich Rickels bewusst gegen den Rückzug. Stattdessen engagiert er sich heute in Schulen, Gefängnissen und anderen Einrichtungen, um insbesondere junge Menschen über die Folgen von Gewalt aufzuklären. Dabei setzt er auf persönliche Einblicke und authentische Erlebnisse, um zum Nachdenken anzuregen.
Ein wichtiger Wendepunkt war ein Vortrag in einer Schulklasse, zu dem ihn seine Cousine eingeladen hatte. Die positiven Reaktionen bestärkten ihn darin, seine Geschichte öffentlich zu teilen und daraus eine Lebensaufgabe zu machen. Daraus entstand das Projekt „First-Togetherness“, mit dem er sich für ein respektvolles Miteinander einsetzt.
Für sein Engagement erhielt Rickels zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch das Bundesverdienstkreuz. Sein Ziel ist es, Gewalt vorzubeugen und Jugendlichen zu zeigen, wie wichtig Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt sind.
Vielen Dank auf diesem Wege an Christoph Rickels und Sezer Karakoc, die unserer Einladung gefolgt sind und seinen so wichtigen Beitrag zum Kampf gegen Gewalt leisten. Chapeau!